Horrortrip durch Traumlandschaften

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Da ich über all die tollen Erlebnisse meiner Reise schreibe, möchte ich auch die schrecklichen nicht vorenthalten. Mein allerschlimmster Alptraum ist wahr geworden: Während einer 12-Stunden-Busfahrt ohne Toilette oder Zwischenstops höhenkrank zu werden.

Um 19.30 Uhr steige ich in den Bus von Sucre nach La Paz. Da ich schon zuvor Busfahrten in einer Höhe von 5000 Meter unbeschadet überstanden habe, habe ich weder Medikamente noch Cocablätter dabei. Ich überschätze meine körperlichen Kräfte komplett. Der Bus startet auf die Minute pünktlich und ist sehr komfortabel. Wir fahren durch eine unglaubliche Landschaft: Tiefschwarze Schluchten liegen unter Bergen, die in der Nacht silbern glänzen. Darüber der sternenübersäte Himmel, so hoch und so weit.

Die atemberaubenden Bilder lassen mich die ersten Anzeichen der Höhenkrankheit ignorieren: Bauchschmerzen und Kopfweh. Kurz darauf ist mir so übel, dass ich während eines Stops den Bus verlasse, um ein bisschen frische Luft zu schnappen. Ich habe kaum einen Fuß auf den Bordstein gesetzt, als ich mich vor den Augen neugieriger und etwas angewidert dreinblickender Bolivianer, die gerade in den Bus steigen wollen, übergeben muss.

Zwei Stunden später liege ich auf dem Fußboden des Buses und krümme mich vor Magenschmerzen, unfähig, mich zu bewegen. Anderen Touristen geht es ebenfalls schlecht. Da ich aber außer mir niemanden auf dem Boden liegen sehe, gehe ich mal davon aus, dass es mich am schlimmsten erwischt hat. Der bisher einsamste Moment meiner Reise.

Der Bus rast die Serpentinen hoch, in meinem Delirium bin ich mehrmals felsenfest davon überzeugt, dass der Busfahrer eingeschlafen ist und dass wir gleich alle sterben werden. Was durchaus der Wahrheit entsprechen könnte, da wir öfter auf die Sandbank neben der Straße abdriften. Ich wäge die Vor- und Nachteile ab, mich einfach am Straßenrand absetzen zu lassen und draußen zu campieren. Oder im nächsten Ort an irgendeiner Haustür zu läuten. Mir ist in dem Moment alles egal.

Der Höhepunkt der Nacht ist ein kurzer Stop um zwei Uhr morgens im bolivianischen Nirgendwo, wo wir endlich die Toiletten benutzen dürfen. Das Bano ist ein umgebauter Kuhstall mit Kabinen drin. Teilweise stehen die Türen sperrangelweit offen und ich kann bolivianische Bäuerinnen bei ihrem Geschäft betrachten. Toilettenspülungen gibt es nicht, gespült wird mit einem gräulich schimmernden Wasser, das man mit Plastikkanistern aus Regentonnen fischt. Wenn du dir hier nicht die Seuche holst, kriegst du sie nirgends. Manchen Einheimischen ist selbst das zu anstrengend. Die Bolivianerinnen heben einfach ihre Röcke und verrichten ihr Geschäft auf offener Straße, direkt vor unserem Bus. Kein schöner Anblick, wenn einem eh schon zum Sterben schlecht ist.

Irgendjemand gibt mir schließlich eine Pille gegen Höhenkrankheit und erlöst mich von meinem Leiden. Völlig gerädert komme ich um 7.30 Uhr morgens in La Paz an und weil ich auf keinen Fall in dieser hässlichen, gefährlichen Stadt bleiben will, nehme ich den nächsten Bus weiter nach Copacabana. Bewaffnet mit Medikamenten, Plastiktüten und meinen letzten Kraftreserven. Um zwei Uhr nachmittags erreiche ich Copa, checke in ein x-beliebiges Hotel ein, esse zum ersten Mal seit 24 Stunden und schlafe 16 Stunden lang. Das erste Mal krank während der Reise: Check!

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