Mit lautem Pfeifen begrüßt uns der Perurail, der uns nach Aguas Caliente zu Füßen des Machu Picchu, bringt. Sofort fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Schaffner in langen, schwarzen Regenmänteln und schwarzen Schirmen helfen uns beim Einsteigen. Ein Relikt aus der Kolonialzeit? Aber die Spanier haben Machu Picchu nie entdeckt. Lange war die Stadt der Inka tief in den Bergen vergessen, die „verlorene Stadt“. Erst im 19. Jahrhundert wurde Machu Picchu aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Und seither strömen Menschen aus aller Welt an diesen mystischen Ort.

Schon Aguas Caliente ist bemerkenswert. Ein kleines Dorf zwischen steilen Hängen und einem reißenden Fluß. Völlig abgeschnitten von der Außenwelt, nur über Zugschienen zu erreichen. Ein schöner Ort, auch wenn er langsam von den Touristenmassen überrannt zu werden droht. Überhaupt grenzt der Hype um Machu Picchu an Wahnsinn.

Morgens um fünf Uhr drängen sich lange Schlangen – wir mittendrin – vor den ersten Bussen, die über scharfe Serpentinen hoch zum Machu Picchu fahren. In einem Tempo, dass einem Hören und Sehen vergeht. Das frühe Aufstehen lohnt sich, verschlafen liegt die Ruinenstadt da. Der Nebel kriecht durch alle Ritzen und lässt Machu Picchu noch mystischer erscheinen. Ich stelle mir vor, wie es ist, als Kind der Inka in dieser Stadt gelebt zu haben. Über die Terrassen und Steinmauern zu klettern und im Sonnenuntergang Llamas zu jagen. Allerdings haben die Inka bei Naturkatastrophen ihre Kinder den Göttern geopfert. Vielleicht wäre ich also gar nicht alt genug geworden, um Llamas zu jagen.

Da Aidy, meine indonesische Wegbegleiterin, und ich die große Ehre haben, eines der heiß begehrten Tickets für den Wayna Pichu ergattert zu haben, beginnen wir um sieben Uhr morgens mit dem Aufstieg. Nur 400 Personen dürfen täglich auf den Berg, der steil über dem Machu Picchu emporragt. Steinstufen ranken sich um die Felsen. Immer wieder packt uns eine sprachlose Verwunderung, wie um alles in der Welt die Inka es vor hunderten von Jahren geschafft haben, solche Kunstwerke in einer solchen Höhe zu bauen. Der Weg nach oben ist beschwerlich, man motiviert sich gegenseitig. Am Ende seiner Kräfte kommt jeder irgendwann oben auf dem Gipfel an. Leider haben wir einen regnerischen Tag erwischt, Wolken versperren die Sicht. Wir sind trotzdem glücklich.

Drei Stunden später kommen wir zum Machu Picchu zurück, wo mittlerweile die Touristenhölle ausgebrochen ist. Trotz strömenden Regens kommen immer mehr Menschen zum Machu Picchu. Klar, die Tickets kosten 240 Dollar und die Stadt der Inka ist heiß begehrt. Wir sind völlig durchnässt und ziehen in diesem Fall eine heiße Quinoa-Suppe den nassen Steinen vor. Machu Picchu behalte ich ohnehin so in Erinnerung, wie ich es frühmorgens vorgefunden habe: mystisch, halb im Nebel versteckt und wunderschön. Die verlorene Stadt.

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