Pura Vida

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Eine Liebeserklärung an Puerto Viejo de Talamanca. Dieser Ort scheint wie für mich gemacht: Vegetarische und vegane Restaurants an jedem Eck, Yoga Studios mit Candlelight Meditation, Spas mit alternativen Heilmethoden. Glückliche Dicos und noch glücklichere Gringos im Alt-Hippie-Style, mit langen, weißen Bärten und einem braun gebrannten Sixpack, das jedem 18-Jährigen Konkurrenz macht. Regenwald, wohin das Auge reicht. Costa Rica gehört zu den Ländern mit der höchsten biologischen Vielfalt, seine Bewohner zu den glücklichsten der Welt. Pura Vida!

Von Playa Chiquita aus, wo meine Gasteltern ihr Ferienhaus haben, fahre ich zehn Kilometer mit dem Rad nach Puerto Viejo. Eine abenteuerliche Strecke durch den Regenwald, mit knietiefen Schlaglöchern und spärlicher Beleuchtung. Nach 18 Uhr, wenn sich die Dunkelheit wie ein Teppich über die hohen Bäume legt und der Dschungel erwacht, eine echte Herausforderung. Ich liebe die Strecke: Kopfhörer ins Ohr, Musik auf volle Lautstärke, Taschenlampe an. Auf dem stockdunklen Weg durch den Regenwald hinauf zum Ferienhaus werde ich manchmal von einem kleinen dicken Hund adoptiert, der mich bis zum Haus begleitet und mit seinem Kojotengeheul das Brüllen der Affen übertüncht, bis ich ihm endlich wieder Gesellschaft leiste.

Nachts erstrahlt Puerto Viejo in vollem Glanz. Bunte Lampions und Lichterketten tauchen Bars und Restaurants in warmes Licht, es duftet nach gegrilltem Fisch, den die Fischer abends nach Hause bringen. Da ich nicht wie üblich in Hostels schlafe, entkomme ich der Traveller-Blase, die Backpacker normalerweise umgibt und nutze die Chance, mit den Locals Zeit zu verbringen. In meinem Lieblingsrestaurant Tierra Madre treffe ich Owen, einen Dico aus Grecia, der nach Puerto Viejo gekommen ist und sein Leben dem Surfen verschrieben hat. Für ihn Pura Vida! Mit einem einheimischen Freund an meiner Seite lerne ich die kleine Fischerstadt von einer ganz anderen Seite kennen: Calypsoklänge in der angesagtesten Bar der Stadt, Lazy Mon, wo mein Surflehrer Peace zu später Stunde einen beeindruckenden Feuertanz hinlegt. Reggaeton in der Strandbar Salsa Brava, wo Jamaikaner gerne auf Tuchfühlung mit blonden Europäerinnen gehen.

Ein Leben mit Karibikflair, ganz entspannt und im Moment. Ich genieße jede Sekunde. Die deutsche Stimme in mir, die sagt: Du solltest weiterziehen, die Zeit nutzen, andere Orte sehen, andere Menschen treffen, effektiv reisen. Ich kann sie kaum noch hören, zwischen Salsaklängen, dem ungestümen Rauschen des Meeres und dem Tosen des Dschungels. Ich kann mir vorstellen, an diesem Ort zu leben. Ich bekomme eine Ahnung, wie mein Leben aussehen könnte, was ich mir wirklich wünsche, wer ich bin, was mich zutiefst glücklich macht.

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