Morgens um 7.30 Uhr treibt ein bolivianischer Fahrer Marit und mich vor sich her, aus dem gemütlichen Hostel hinaus und hinein in einen Mini-Van. Wir haben die dreitägige Salt Flat Tour von Chile nach Bolivien gebucht. Als wir die restlichen Touris abholen, stellen wir ganz schnell fest: Wir sind eine ziemlich gute Truppe. Jerome und Adrien, zwei junge Anwälte aus Paris, fallen nach einer durchzechten Nacht direkt in unseren Bus und sorgen gleich zu Beginn der Reise für den maximalen Entertainment-Faktor. Monica, eine 40-jährige Tierärztin aus Madrid mutiert direkt als Übersetzerin für unseren bolivianischen Guide. Marit, mein aktueller Reisebuddy ist 25 und arbeitet als Pädagogin in einer Schule für schwer erziehbare Kinder. Und schließlich Keri aus Boston, eine quirlige Amerikanerin in meinem Alter, die wie ich ihren Job gekündigt hat, um zu reisen und die ich sofort ins Herz schließe. Es geht 2000 Meter hoch zur bolivianischen Grenze, die eigentlich nur ein kleines Ziegelhäuschen mitten in der Vulkanlandschaft ist.

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Hier steigen wir um in einen Offroad-Jeep mit einem 22-jährigem Bolivianer als Fahrer, der ziemlich mies gelaunt aussieht und wenig spricht. Wir sehen Salzlagunen, die bei Wind ihre Farbe von Blau zu Grün wechseln. Dampfende Geysire. Vulkane, die sich in Regenbogenfarben über das Land ergießen. Flamingos, die in einer blutroten Lagune nach Essen stochern. Immer höher hinaus geht es, bis auf 5000 Meter Höhe. Zum Glück macht mir die Höhe nichts aus. Im Gegenteil, ich verfalle in einen regelrechten Höhenrausch. Unser Guide hat Cocablätter für uns, die gegen Kopfschmerzen und Übelkeit helfen. Die Chemie unserer kleinen Reisegruppe stimmt einfach, wir werden sehr schnell Freunde. Die besten Momente: Wir sitzen gemeinsam am Mittagstisch, alle high von den Cocablättern und der ungewohnten Höhe und lachen Tränen. Wir schauen in den unglaublichen Sternenhimmel, der wegen des Lichtmangels in der Wüste hundertmal mehr Sterne und Planeten preisgibt. Wir liegen zitternd in unserem Schlafsaal, fünf Schichten Kleidung am Körper, weil die Temperaturen nachts Minusgrade erreichen und die Lehm- und Strohhäuser natürlich nicht isoliert sind.

Der zweite Tag zieht sich. Lagune reiht sich an Lagune, Vulkan an Vulkan und irgendwie fehlt uns heute die Energie und die Begeisterung für die einzigartige Landschaft. Einigen aus unsrer Gruppe geht es wegen der Höhe sehr schlecht. Zehn Stunden fahren wir durch die bolivianische Wüste. Ich verliere jegliches Gefühl für Distanzen und Zeit. Bis wir am späten Nachmittag die Salzwüste erreichen, die uns schlagartig aus unsrer Lethargie reißt. Der Himmel, die Sonne, die Berge spiegeln sich in der Salzschicht. Wo ist oben und unten? Lost in Time and Space. Wir tauen sogar unseren schüchternen Guide endlich auf und er spielt für uns seine liebsten bolivianischen Songs. Später übernachten wir in einem Salzhotel.

Der dritte Tag beginnt um 4.30 Uhr. Henry, unser Guide, bringt uns mitten in die Salzwüste Salar de Uyuni, wo wir den Sonnenaufgang über einem Meer aus Salz sehen. Tankstellen gibt es hier übrigens keine. Der Sprit kommt aus Kanistern, die wir zusammen mit unseren Backpacks auf dem Dach des Jeeps transportieren. Der „Tankschlauch“ ist eine abgeschnittene Wasserflasche. Wir machen lustige Fotos in der Salzwüste, wo jegliches Gefühl für räumliche Distanzen flöten geht, sehen ein stillgelegtes Salzhotel, ein Salzmuseum und eine Anlage zur Salzgewinnung. Nach soviel Salz und drei Tagen nonstop in einem Jeep, der über Stock und Stein schaukelt, sind wir alle froh, als wir am Nachmittag Uyuni erreichen.

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