Seltsames geschieht. Es verabschieden sich ständig Dinge von mir. Auf dem Weg nach Panama verschwindet mein Handy spurlos, zurück in Puerto Viejo wird am Tag vor meiner Abreise mein Fahrrad gestohlen, bereits in Lima habe ich meine Yogamatte im Hostel vergessen. Als ich bei der Ankunft in Montezuma an der Pazifikküste Costa Ricas feststelle, dass mein Schlafsack wohl im Shuttlebus liegengeblieben ist, bin ich einem Wutausbruch nahe. Der Schlafsack schmerzt mehr als alles andere Verlorengegangene. Er ist ein Geschenk meiner lieben Freundin. Er hat mich in der eiskalten Salzwüste Boliviens und in der Hängematte unter dem kolumbianischen Sternenhimmel gewärmt. Mag sein, dass man im Chaos des ständigen Ein- und Auspackens, des ständigen Ein- und Um- und Aussteigens mal etwas vergisst. Vielleicht sind das aber auch Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Bin ich zu nachlässig mit meiner Umgebung, mit den Dingen um mich herum, mit den Menschen und mit mir selbst? Habe ich meinen Kopf zu sehr in den Wolken, bin ich zu wenig im Hier und Jetzt? Ich erzähle meinem kanadischen Zimmernachbarn von meinen Gedanken und er schaut mich nachdenklich an. Als ich am Abend ins Hostel zurückkomme, fragt er mich, ob ich das Buch „Der Alchemist“ von Paulo Coelho gelesen habe. Habe ich nicht. Er zieht ein Buch mit einem wunderschönen Einband aus seiner Tasche und drückt es mir in die Hand: „Ein Geschenk für dich. Ich glaube, jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um es zu lesen.“

Ich halte das Buch wie einen Schatz in meinen Händen. „Der Alchemist“ hat mich gefunden. Am nächsten Morgen liegt mein Schlafsack auf meinem Bett. Nachdem der Reiseveranstalter mir nicht wirklich helfen konnte, hat Luciano, der Sohn der Hostelbesitzerin, ein wenig herumtelefoniert und den Fahrer des Shuttles ausfindig gemacht. Wenn das kein Zeichen ist!

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