wien maria hilfer strasse
Wien ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert: Im Sommer locken das Donauinselfest und die Gärten von Schönbrunn, im Winter schlendern dick eingepackte Touristen über funkelnde Weihnachtsmärkte. Ich mag eine gute Mischung aus den wichtigsten Sehenswürdigkeiten einer Stadt, die man selbstverständlich gesehen haben muss und kleinen, aber feinen Ecken, in die sich kein vollgestopfter Reisebus verirrt. Was gibt es in Wien zu sehen, wenn es regnet, stürmt oder schneit? Das sind meine 7 Tipps für Wien im Winter.

1. Schloss Belvedere

Ein sattgrüner Garten erstreckt sich im Sommer zu Füßen des schönen barocken Schlosses, das zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Im Winter gefällt mir jedoch gerade die triste, wilde Schönheit der leeren Brunnen und einsamen Statuen rund um das Schloss. Belvedere wirkt dann weniger puppenhaft, vielmehr traurig schön. Ich stelle mir vor, wie sich der Wiener Adel des 18. Jahrhunderts, ausgelaugt von einem Sommer voller rauschender Feste, vor dem eisigen Wind hinter die dicken Vorhänge des Schlosses flüchtet.
Mein Tipp: Wem es im Schlossgarten zu kalt und melancholisch wird, der sollte unbedingt eine der Kunstausstellungen rund um Belvedere besuchen. Aktuell wird zum Beispiel Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen gezeigt (Unteres Belvedere, bis 28. Februar 2016)
Mehr Informationen rund um das Schloss Belvedere gibt es hier: www.belvedere.at

2. Zentralfriedhof

Berühmte Persönlichkeiten wie Falco oder Udo Jürgens sind auf dem Wiener Zentralfriedhof in Ehrengräbern begraben. Über die weitläufigen Wege des Friedhofes, der zu den größten Europas gehört, gelangt man zu den abgelegenen Friedhofsabschnitten, abseits des Promitrubels. Hier liegen Menschen, die keiner mehr besucht. Ihre Gräber sind überwachsen und verwildert. Die Natur nimmt sich zurück, was ihr gehört. Ich empfinde den Tod nicht als etwas Bedrohliches und Friedhöfe keineswegs als düstere Plätze. Vielmehr als Orte der Ruhe, die einladen, über die Vergänglichkeit des Menschen und das Geschenk des Lebens nachzudenken. Dazu passen kahle Bäume und Laub auf den Wegen viel besser als blühende Wiesen und Vogelgezwitscher. Einziger Nachteil: Der Wiener Zentralfriedhof liegt in einer Flugschneise.
Mein Tipp: Im Park der Ruhe und Kraft auf eine Bank an den Wasserplatz setzen, ein von vier Bäumen markierter Kraftplatz.

3. Wiener Märkte

Naschmarkt

Warm Einpacken und ab ins Getümmel. Der Naschmarkt ist unter den Einheimischen als Touristenmarkt verschrien, für mich ist er mit seinem einzigartigen Flair und trotz gesalzener Preise immer noch einen Besuch wert. Drüberschlendern und staunen. Bei Alles Seife kann man handgemachte Seifen als Mitbringsel für die Naturfans im Freundeskreis erstehen.

Kutschkermarkt

Klein aber fein. Der Kutschkermarkt bietet kulinarische Köstlichkeiten in stilvollem Ambiente. Wem es auf dem Markt zu kalt wird, der huscht ins Café Himmelblau.

Brunnenmarkt

Obst, Gemüse, orientalische Gewürze, Fleisch, Käse, Küchenutensilien. Auf dem vollgestopften Brunnenmarkt findet man einfach alles. Und die Marktschreier laden zum Feilschen ein. Bei schönem kalten Wetter ein selbstgebrautes Bier oder eine Flasche Sturm erstehen und auf dem Yppenplatz in die Sonne setzen.
Mein Tipp: Auf den Märkten muss man sich dem Getümmel einfach ergeben, sonst endet der Besuch mit genervten Gesichtern. Also, Handtasche im Auge behalten und treiben lassen!

4. Kunsthistorisches Museum

Wenn es draußen regnet, stürmt und schneit…dann sollte man sich unbedingt in eines der vielen interessanten Wiener Museen flüchten. Im kunsthistorischen Museum kann man zwischen ägyptisch-orientalischer Kunst und Bildern von Rubens oder Rembrandt in der Bildergalerie einen ganzen Tag lang verbringen. Bequeme Sofas in der Bildergalerie laden zum Verweilen und Eintauchen in die berühmten Bilder ein.
Mein Tipp: Eine Verschnaufpause im Café in der Kuppelhalle des Museums einlegen. Jeden Donnerstag veranstaltet das Museum außerdem ein Gourmet-Dinner. Das Museum ist dann für die Gäste bis 21 Uhr geöffnet, zwischen den Gängen kann man durch die Ausstellungen schlendern. Mehr Infos hier: www.khm.at

5. Hundertwasser-Museum im Kunsthaus

Wer könnte besser den Winterblues vertreiben als der eigenwillige Friedenreich Hundertwasser mit seinen kunterbunten Werken. Das von Hundertwasser entworfene Kunsthaus weist überall die Spuren des österreichischen Künstlers auf, angefangen vom welligen Fußboden im Foyer. Auf zwei Stockwerken kann man sich stundenlang über die skurrilen Werke des Maestros den Kopf zerbrechen.
Mein Tipp: Einen kunstbegeisterten Freund mitnehmen und gemeinsam die verrücktesten Interpretationen aufstellen. Macht Spaß!

6. Stadtbummel im 7. Bezirk

„Der Siebte“, wie ihn die Wiener nennen, ist wunderbar kreativ und verspielt. Vom Neubaugürtel bis zum kunsthistorischen Museum zieht sich der angesagte Bezirk. Zwischen kleinen Cafés und Secondhand-Läden muss man sich nie zu lange im Freien aufhalten.
Mein Tipp: Einen Besuch im Ramsch & Rosen einlegen. Kinderbücher aus den 70ern, Nippes und Fotos vom Ehrengast des Hauses, Conchita Wurst. Dazu geben die netten Mitarbeiter Anekdoten über ihre skurrilen Gäste zum Besten.

7. Offene Bücher Wien

Frank Gassner hat die Initiative „Offener Bücherschrank“ in Wien ins Leben gerufen. An drei Standorten kann aus einem rund um die Uhr geöffneten Stahlschrank ein Buch entnommen oder eingestellt werden. Die nichtkommerziellen Bücherschränke finanzieren sich rein über Spenden. Das Bücher Entnehmen ist kostenlos. Mehr Informationen zu den offenen Bücherschränken gibt es hier: www.offener-buecherschrank.at
Mein Tipp: Ein Buch aussuchen, in ein Café setzen, ein bisschen Wiener Flair atmen und schmökern.
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